Netzwerk der Demokratien:
25 Jahre Trilaterale Kommission

Article by OTTO GRAF LAMBSDORFF
originally appearing in the Frankfurter Allgemeine Zeitung
March 21, 1998
(in German)

Seit einem Vierteljahrhundert verbindet die Trilaterale Kommission Persönlichkeiten aus Europa, Nordamerika und Japan. Gemeinsam tragen diese drei Regionen den größten Teil der Weltwirtschaft. Als führende Demokratien sind sie zugleich Partner bei der Bewahrung des freiheitlichen internationalen Systems und der Sicherheit.

Die Trilaterale Kommission entstand aus der Einsicht, daß die zunehmende Verflechtung eine neue Qualität der Zusammenarbeit erforderlich macht. Herausforderungen wie Rohstoffverknappung und Umweltzerstörungen schaffen Konfliktgefahren. Wechselkursschwankungen, Verschuldungskrisen und die Eigengesetzlichkeit kurzfristiger Kapitalströme können geschwächte Volkswirtschaften zum Kollaps bringen. Hinzu kommt der von Ungewißheit begleitete Aufstieg Asiens, der das internationale System verändert. Politiker neigen zum Blick nach innen und auf die Tagesaktualität. Das notwendige Korrektiv, der erweiterte Blick auf die internationalen Zusammenhänge und langfristigen Zielsetzungen, muß mühsam erlernt und gepflegt werden. Es genügt nicht, von den Regierenden Lösungen einzufordern. Aus der Gesellschaft selbst und den Erfahrungen ihrer Verantwortungsträger müssen praktische, über das eigene Land hinaus tragfähige Lösungswege vorgezeichnet werden, die sich dann politisch durchsetzen lassen.

Das öffentliche Wirken im internationalen Netzwerk, das die Diplomatie ergänzt und ihr gangbare Wege weist, wird dabei in Deutschland unterschätzt. Dort aber bildet sich die Agenda internationaler Beziehungen heraus, und es lohnt sich für ein Land, dort gut vertreten zu sein. Der von Offenheit, Vertrauen und Respekt geprägte Diskussionprozeß in der Trilateralen Kommission, dessen wesentliche Ergebnisse veröffentlicht werden, setzt hier Maßstäbe. Darüber hinaus publiziert die Trilaterale Kommission regelmäßig Studien zu politischen und ökonomischen Problemen. Sie werden von Autoren aus Nordamerika, Japan und Europa gemeinsam verfaßt.

Traditionell prüft die Kommission alle drei Jahre, ob ihre Arbeit noch geeignet ist, die wichtigsten Fragen rechtzeitig aufzugreifen. Dies hat jetzt zu der Überzeugung gef¸hrt, daß die neuen Industriestaaten, auch wenn sie noch um die Festigung ihres Wohlstands und der Demokratie kämpfen, zu Partnern werden, die einbezogen werden müssen. An dem diesjährigen Plenartreffen der Kommission, das an diesem Wochenende in Berlin stattfindet, nehmen erstmals Persönlichkeiten aus solchen Lndern—von Rußland bis Brasilien, von Indonesien bis Marokko—in vollem Umfang teil.

Weltweite Zusammenarbeit zwischen den Staaten bei Achtung ihrer unterschiedlichen Identität ist der Schlüssel zu erfolgreicher Politik. Regierungen können die meisten Probleme des eigenen Landes nicht bewältigen, wenn sie diese Notwendigkeit verkennen. Wo Interdependenz herrscht, schadet einseitiges Vorgehen allen.

Das Tempo des Wandels unserer Gesellschaften und ihrer Überlebensbedingungen wird sich auch im 21. Jahrhundert nicht verringern. Nur wenn Gemeinsamkeit über Deutschland und Europa hinaus zur guten Gewohnheit wird, können wir die Risiken beherrschen und Chancen nutzen.

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